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S-Pedelec von Opium

S-Pedelec von Opium: Reichweite, die süchtig macht

Einige der besten S-Pedelecs, die es derzeit auf dem Markt gibt, kommen aus der Schweiz. In unserem Nachbarland dürft ihr bereits im Alter von 14 Jahren mit einem solchen Fahrrad fahren – und das zudem auf gewöhnlichen Radwegen. Wenig verwunderlich genießt es dort im Vergleich zu Deutschland einen entsprechend höheren Stellenwert. Wer nach einem tollen S-Pedelec sucht, sollte also die Schweizer Hersteller im Auge behalten. Erst recht, da jetzt zwei Modelle am Horizont erscheinen, die eine bemerkenswerte Reichweite versprechen.

Opium heißt der Neuling mit den großen Plänen. Auf der diesjährigen Eurobike in Frankfurt am Main möchte die Marke vier S-Pedelecs vorstellen, deren integrierte Akkus für eine Reichweite von bis zu 256 Kilometer ausreichen sollen. Damit wir Missverständnisse vermeiden: Die Rede ist von einem einzigen Energiespeicher im Unterrohr. Dessen Kapazität beläuft sich nach Angaben von Opium maximal auf sage und schreibe 1.670 Wattstunden. Im Grunde hätte dieser Satz ein Ausrufezeichen verdient.

Akku des S-Pedelec von Opium

In der größten Version verfügt der Akku des Opium über 1.670 Wattstunden.

Plötzlich liegt das Ferne so nah

Um zu veranschaulichen, was das in der Praxis bedeuten könnte, ein kleines Gedankenspiel. Im Juni starten auf der Insel Rügen erneut die Störtebeker-Festspiele. Kulturell interessierte und gleichzeitig sportliche Hauptstädter könnten von Berlin nach Ralswiek direkt zur Naturbühne mit dem Fahrrad fahren. Nonstop. Und damit nicht genug. Wie wäre es mit einem Ausflug in der Weihnachtszeit in ein dann vielleicht romantisch verschneites Prag? Selbst das ließe sich von Berlin aus mit den S-Pedelecs von Opium wohl angehen. Alles was es dazu bräuchte, wären die passende Kleidung und die Version des Bikes mit den zusätzlichen 470 Wattstunden des Range Extender. Diese erhöhen die Reichweite um 84 Kilometer auf dann insgesamt 340 Kilometer.

Klar, das eine oder andere Detail muss man sich dafür vielleicht schönreden. Trotzdem fasziniert die Tatsache, dass dies theoretisch machbar wäre. Bei alltäglicheren Vorhaben wie dem zügigen Pendeln zur Arbeit, ist weniger Fantasie nötig. Genau an diese Menschen hat Opium bei seinen vier Modellen, dem Opium 6 LR, dem Opium 6, dem Opium 4 und dem Opium 3, gedacht. Der Markenname leitet sich übrigens von einem früheren Fahrrad von MTB Cycletech ab. Da beide Marken unter dem Dach der Revolt Zycling AG laufen, bewegt sich das urheberrechtlich auch alles im grünen Bereich 😉

Im Schutzblech integrierter hinterer Gepäckträger am S-Pedelec von Opium

Perfekt für das Pendeln zur Arbeit und längere Touren eignet sich der im Schutzblech integrierter hintere Gepäckträger.

Zuarbeit von prominenter Stelle

In der Branche bestens bekannt ist zudem der Designer der neuen S-Pedelecs. Torgny Fjeldskaar hat bereits sehr erfolgreich für Größen wie BMC, Cannondale und BMW gearbeitet. Die Rechnung des Norwegers könnte ein Grund dafür sein, dass Opium gegenüber dem Schweizer E-Bike-Magazin Easybiken von einer siebenstelligen Summe spricht, die in die Entwicklung geflossen sein soll. Herausgekommen ist auf alle Fälle eine Formensprache ohne große Schnörkel, die eher mit Kanten statt Rundungen arbeitet. Dem Unterrohr ist anzusehen, dass in seinem Inneren ein größer dimensionierter Akku Platz findet. Dafür werdet ihr am aus Aluminium gefertigten Rahmen kaum Schrauben oder Sonstiges entdecken. Womöglich handelt es sich bei den jetzt gezeigten Bildern noch nicht um das finale Design. Aufnahmen für Flaschenhalter wären zum Beispiel echt wünschenswert an einem Fahrrad, dass sich für derart lange Strecken eignet.

Drei von insgesamt zwölf wählbaren Farben

Größter Abnehmer für den Strom des Akkus ist natürlich der Motor in der Hinterradnabe. Opium gibt dessen Dauerleistung mit 850 Watt an. Die wollen jederzeit mit reichlich Energie versorgt werden. Insofern scheint die enorme Kapazität der Akkus nur folgerichtig. Zu einem gewissen Maße liefert der Motor über die Rekuperation selbst Energie in das System zurück. Wie groß dieser Anteil ausfällt, behält der Hersteller aktuell für sich. Die 48 Newtonmeter an Drehmoment sollten euch kräftig nach vorn treiben und für so manches Lächeln sorgen.

Hinterradnabenmotor am S-Pedelec von Opium

Weil das Getriebe im Tretlager steckt, kann das Design der hinteren Ausfallenenden minimalistisch ausfallen.

Schweizer Kooperation

Angesichts der Motoleistung steht ebenfalls fest: Irgendwann ist selbst der größte Akku mal erschöpft. Zum Aufladen seid ihr an das Bike gebunden. Zwar lässt sich der Akku entnehmen. Das ist aber nur für einen Check oder eine Reparatur durch Experten vorgesehen. Ihr benötigt also einen geeigneten Stellplatz. Da eine komplette Aufladung rund sieben Stunden in Anspruch nimmt, sollte der ausreichend gesichert sein. Trotz des brauchbaren Ladestroms von 4,8 Ampere geht das mit dem dazugehörigen Ladegerät nicht schneller. Wobei, im Falle des Opium 3 und seines mit 1.400 Wattstunden etwas kleineren Akkus bleibt ihr vermutlich ein wenig unter dieser Marke.

Als Schaltzentrale zwischen Motor, Akku und der Bedieneinheit fungiert das FIT-System. Ursprünglich war dieses ja für E-Bikes von Flyer reserviert. Nach dem Ausgliedern dieses Unternehmenszweiges mit der Gründung der Biketec AG und dem damit verbundenen Öffnen für alle E-Bike-Hersteller, wurde auch für Opium der Weg frei zu dem System, das etliche Millionen Praxiskilometer auf dem Tacho hat. Laut eigener Aussage hätte das Entwickeln eines eigenen Betriebssystems den finanziellen Rahmen für die Marke in Bezug auf dieses Projekt komplett gesprengt. Stattdessen werden anscheinend Kundinnen und Kunden von Opium wohl auf das Servicenetz von Flyer zurückgreifen können. Ob das vorerst nur für die Schweiz gelten soll, können wir noch nicht abschätzen.

S-Pedelec von Opium mit FIT-Firmware

Bekannt von Flyer E-Bikes: Firmware und Bedieneinheit von FIT.

Komfortabel schalten und bremsen

Nächster namhafter Partner von Opium ist der Getriebehersteller Pinion. Auf dessen bewährte Schalttechnik vertrauen mit Stromer, Kettler und Klever weitere Anbieter von S-Pedelecs. Opium hat sich für zwei Getriebe der C-Serie entschieden. In beiden Versionen des Opium 6 ist das C1.12 verbaut, während Opium 4 und Opium 3 über das C1.9 verfügen. Bekanntermaßen stehen die Ziffern nach dem Punkt für zwölf respektive neun Gänge, die euch Übersetzungsbandbreiten von 600 Prozent beziehungsweise 568 Prozent bereitstellen.

Genauso hochwertige Komponenten sorgen für eure Sicherheit während der Fahrt. Maguras eindrucksvolle MCI-Bremse mit den vier Bremskolben und einem Scheibendurchmesser von jeweils 203 Millimetern vorn und hinten sind bereits ein Wort. Zusätzlich kombiniert Opium das System mit dem ABS von Blubrake. In speziell dafür entwickelten Bremsscheiben ist der Taktgeberring bereits integriert. Hydraulik und Leitung verlaufen unsichtbar im Inneren des Lenkers. So bewahrt das Cockpit seine auf das absolut Wesentliche reduzierte Wirkung.

Cockpit des S-Pedelec von Opium

Eigenwillig, aber effizient

Eine zweite Parallele zu S-Pedelecs von Stromer zeigt sich beim Blick auf die Federgabel. Wie der Mitbewerber setzt auch Opium auf das stets etwas ungewöhnliche Design von Upside-Down-Gabeln, bei denen die beweglichen, schmaleren Tauchrohre den unteren Teil der Gabel kennzeichnen, während Schaftrohre, Gabelbrücke und Standrohr den starren oberen Teil bilden. Hersteller Wren hat eine Spezialanfertigung mit einem Federweg von 45 Millimetern aufgelegt. Die Ausfallenden lassen den Leitungen für das ABS genügend Platz und nehmen gleichzeitig die Schutzbleche auf.

Upside-Down-Federgabel am S-Pedelec von Opium

Die Upside-Down-Federgabel bietet einen Federweg von 45 Millimetern.

Ins Auge fällt außerdem das im Steuerrohr eingelassene Tagfahrlicht. Im Duett mit dem SL-X Scheinwerfer von Lupine behaltet ihr so auch bei widrigen Sichtverhältnissen stets den Durchblick. Und weil Sicherheit längst unsichtbare Features miteinschließt, gehören ein GPS-Tracker und eine schlüssellose Wegfahrsperre ebenfalls zur Ausstattung.

Rund ein Jahr bis zur Auslieferung

Wer diese E-Bikes von Opium spannend findet, sollte sich schon einmal Tickets für die kommende Eurobike besorgen. Dort zeigt der Hersteller sein Sortiment erstmals der Öffentlichkeit. Das ist gleichbedeutend mit der Chance ausgedehnte Probefahrten. Auf der Messe verkündet er zudem, wie viel die Akkus als auch die kompletten Bikes wiegen. Ab dem Juli könnt ihr die Modelle dann vorbestellen. Preislich steigt ihr mit dem Opium 3 bei rund 8.500 Euro ein. Für das Topmodell mit dem Range Extender ruft Opium rund 12.000 Euro auf. Aufgrund der immer noch extrem angespannten Verfügbarkeit mancher Fahrradkomponenten wird sich die tatsächliche Auslieferung in den Frühling 2023 verschieben. Zumindest nach jetzigem Stand.

S-Pedelec Opium 2022 im Überblick

  • Varianten: Opium 6 LR; Opium 6; Opium 4; Opium 3
  • Rahmengrößen: M; L; XL
  • Motor: Opium Nabenmotor, 850 W, 48 Nm
  • Akkukapazität: 1.670 Wh; 1.400 Wh
  • Bedieneinheit: FIT Remote Basic
  • Antrieb: Pinion C1.12; Pinion C1.9 XR
  • Bremsen: Magura Mci, 203 mm
  • Maximal zulässiges Gesamtgewicht: 140 kg
  • Farben: Bourbon, Citron, Cognac, Dolomite, Elephant, Emerald Green, Flamenco, Flieder, Java Green, Martini, Miami Blau, Midnight
  • Preise: ab 8.490 Euro

 

Bilder: Revolt Zycling AG

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